„Warum tragen Architekten eigentlich Schwarz?", wurde Cordula Rau während eines Architektenwettbewerbs von einem Manager der Autoindustrie gefragt. Obwohl sie selbst Architektin ist und auch Schwarz trägt, wusste sie spontan keine Antwort. Sie beschloss, andere Architekten, aber auch Künstler und Designer zu fragen. Seit 2001 sammelt sie fortlaufend deren handschriftliche Antworten in einem Notizbuch.
2008 erschien diese Sammlung von Autographen in einem kleinen – natürlich schwarz gebundenen – Werk. Anlässlich der Neuausgabe im März 2025 wurde diese legendäre Sammlung um neue bemerkenswerte, amüsante, pragmatische und spitzfindige Begründungen erweitert.
Inspiriert bei einem Gespräch zur BAU 2025 im Januar war schnell klar, dass die Blackbox in Stuttgart ein stimmiger Ort ist, um dieser Fragestellung erstmals bei einer Abendveranstaltung einen geeigneten Rahmen zu geben – und eben auch einen Schritt weiterzugehen. Dafür steht beispielsweise der Impulsvortrag von Marcel Rijkse, der zwischen Mode, Kultur und Zeitgeist unterwegs ist, an Hochschulen und Modeakademien lehrt und auch schon für renommierte Pariser Modehäuser gearbeitet hat. Somit ist er bestens geeignet, um die bisher Architekten-bezogene Fragestellung in einen geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext einzubetten.
Dazu haben wir mit Mark Jenewein von LOVE architecture + urbanism aus Graz einen Autor der ersten Jahre. Bereits im Oktober 2004 schrieb er in Cordula Raus Büchlein folgendes Statement schon in Vergangenheitsform: „Architekten trugen schwarz in einer Zeit, in welcher sie noch glaubten, dass wahre Größe keine Farbe hat.“ Ähnlich kontrovers ist die Aussage eines weiteren Architekten aus dem Buch. Wiel Arets aus Amsterdam beantwortete die Frage kurz vor Weihnachten 2007 so: „I don’t wear black. But rather grey or dark blue, always in combination with a coloured shirt.“
Zudem konnten sich die Besucher auf Cordula Rau freuen, die natürlich über einige Anekdoten berichtete, bei welcher Gelegenheit und unter welchen kuriosen Umständen einige Zitate entstanden sind. Und auch David Marold ist seit Anfang an aus Verlagssicht involviert. Die Erstausgabe initiierte er noch für Springer Wien New York, ehe er zum Birkhäuser Verlag wechselte und das Buch mitnehmen konnte. Begleitet wird er von der Marketingleiterin der Kunst- und Architektursparte Nicole Schwarz - bei ihr steckt das Thema bereits im Namen. Beide berichteten aus erster Hand von der Entstehung des Werks über die Jahre hinweg.
Im Anschluss an die Diskussionsrunde gab es bei Live-Musik und passender Kulinarik ausreichend Gelegenheit zum informellen Austausch und am Büchertisch die Chance, die aktuelle Ausgabe zu erstehen und signieren zu lassen, ganz nach Cordulas Motto: "Lesen Sie – und bitte fragen Sie mich nicht, warum Architekten Schwarz tragen!"